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Neue Bücher über Paul Graetz

3-Bucher

Neue Bücher über Paul Graetz

Gleich zwei Bücher über diesen Deutschen Indiana Jones sind Anfang des Jahres erschienen. Als Graetz-Papst fällt es mir natürlich zu, diese Bücher zu besprechen.

Als erstes nehme ich mir das herrlich überflüssige

Friedrich Karl – Friedrich Paul Graetz (1875-1968)
Ein Untertan auf Reisen in Afrika

vor. Hier schreibt jemand – hoffentlich unter Pseudonym, denn mit so einem Machwerk sollte man nicht in Verbindung gebracht werden – der anscheinend 3 x am Tag das Wort „Haftpflichtversicherung“ googelt, eine unbebilderte „Nacherzählung“ des Reiseberichtes von Paul Graetz von 1910.

Höhnisch, mit Häme, Schadenfreude und unrecherchiert, wirft der Sesselpupser unserem Paul Graetz vor, zum Beispiel nicht über die Auswirkungen des ökologischen Fußabdrucks seiner Abenteuerreise nachgedacht hat. (S.23) Es fehlt hier eigentlich nur der Hinweis, dass Graetz es doch besser mit einem Lastenfahrrad, der neuesten Spitzentechnologie aus dem besten Deutschland aller Zeiten, hätte versuchen sollen.

Er gibt Graetz den Tipp, dass er doch mit dem Zug von Kapstadt nach Broken Hill in Sambia hätten reisen können (S.33.34). Er hat so gar nicht verstanden, was Graetz geleistet hat. Das es dabei um eine individuelle Fortbewegungsart, um Freiheit und Flexibilität geht.
Als es in Berlin ruchbar wurde, was Graetz mit seiner Afrikaquerung mit dem gerade erst erfunden Fortbewegungsmittel Automobil vorhatte, spotte man über ihn, als wolle er eine Reise zum Mond unternehmen, so unmöglich schätze man sein Vorhaben ein, so sensationell wurde er bei seiner Rückkehr empfangen.

Er labbert, dass Graetz doch das Fahrzeug erst vorher in deutschem alpinem Gelände oder in geeigneten Mittelgebirgslagen hätte testen müssen (S.56)  und schwallt weiter, das er sich doch Tipps vom Transvaal Automobilclub hätte holen sollen, auf die er als einziges Fahrzeug nach 7.000km Afrikafahrt traf (S.57)

Er belehrt den Leser, dass Graetz „skrupellos“ das am Fluss Lebende Volk der Avemba nicht über die Gefahr eine Flussfahrt mit einem Floss aufgeklärt hat.

Er schwadroniert über den Weisungshabitus der Weißen aus einem kaiserliche Obrigkeitskult heraus (S.31,32) gegenüber afrikanischen Häuptlingen als Exportartikel und verkennt dabei völlig, dass das Häuptlingswesen ein viel älteres und totalitäreres Hierarchiesystem war und ist.

Graetz ist für ihn ein Gefangener der Zeitumstände (S.12), ohne zu merken, dass Graetz seiner Zeit weit voraus war und der Neuautor selbst in einer Gummizellenwelt seiner Zeit stehen geblieben ist.

Mehrere nicht oder falsch recherchierte Hintergründe zu den Chauffeuren von Graetz, technischen Fahrzeugdetails und Ereignissen entlang der Tour führen zu absurden Spekulationen (S. 7,39,51,52,57,65).

Paul Graetz, ein Mann der Tat und des Willens und einer, der auch darüber gerne redet,
Er schonte sich nicht und war stets bei den gefährlichen Abschnitten selbst am Steuer.


Copyright Bwana Tucke-Tucke

Immerhin, seine Einstufung der Graetzschen Reise(n) als Ego-Trip ist richtig. Graetz wollte immer „der tolle Graetz“ genannt werden und hat ja in seiner Biographie auch einiges dafür getan

Karls Blick geht bei Raumtemperatur durch das Graetzsche-Buch und verwandelt sich in Interesselosigkeit, die Tat in gegenstandslose Nichtigkeit.

Das Abenteurertum ist nicht seine Welt, seine Welt ist die der Magengeschwüre.
Neugierde als Motivation kommt bei ihm nicht vor.

Um den vom Autor Karl zitierten „Heinrich Mann, der Untertan“ auf ihn anzuwenden passt „Deutsch sein heißt, eine Sache um seiner selbst willen thun.“
Ein typisch Deutscher Bedenkenträger und Besserwisser. Lauch!

Bestelladresse beim Deutscher Wissenschafts-Verlag

 

Simon Riesche
Zwischen Sansibar und Lüderitz - Auf Roadtrip und Zeitreise im Süden Afrikas

Eine ganz andere Ausgangssituation bei diesem Buch des erfahrenen Korrespondenten Simon Riesche. Seine Welt ist riesengroß. Durch Zufall stieß er auf das Buch von Paul Graetz und es reifte sofort der Wunsch, diese Reise praktisch nachzuempfinden. Er wollte dabei nicht einsam und abgekapselt fahren, sondern mit Zeit an Bord öffentlicher Verkehrsmittel in auseinanderfallenden Bussen, klappernden Zugwaggons und schwankenden Schiffskabinen. Immer weit genug, um seinen Horizont zu verschieben, außerhalb der Komfortzone und eigene Erfahrungen machen, nicht nur Graetz kommentieren. Er wollte sehen, was hat sich in Afrika getan, entlang der alten Strecke von 1907-1909 die heute so verschwunden ist. Wieviel Geschichte steckt noch in der Gegenwart.

Mit Leidenschaft stürzt er sich ins Getümmel Afrikas und entdeckt Typen und Charaktere, lässt sich Ihre Geschichten erzählen: Vom belesenen Eierverkäufer Geoffrey, dem angehenden Honigexporteuer Joseph, Titus dem Kapitän der gestrandeten Liemba, Greg, dem protzenden Minenbesitzer oder Otto, dem tiefgründigen Nama aus Mariental. Der Bildteil des Buches besteht überwiegend aus Menschen.
Er spürt die Weite Afrikas. “Sollte ich vielleicht besser Tiefe sagen? Oder Leere?“(S.60). Begegnet Armut, Korruption und Missstände und immer wieder Verweisen auf die Kolonialzeit.


Es ist nicht stringent an den Lokalitäten der Graetzschen Automobildurchquerung Afrikas ausgerichtet, Riesches Reise beginnt z.B. am Kilimanjaro, dem einstmals höchsten Berg Deutschlands und endet in Lüderitz, er nimmt auch Thematiken der Motorbootexpedition am Lake Malawi mit auf.
Das Graetz-Buch ist für ihn 115 Jahre später keine Gebrauchsanweisung für den richtigen Blick auf die Welt, sondern ein wichtiges historisches Dokument (S.23) zum historisch betreuten Reisen (S.68). Wenn ihn die Herablassungen des“ Herrenmenschen Graetz“ auch zunehmend provozieren, stellt er sich auch die Frage, was er selbst für ein Mensch in der Zeit gewesen wäre. Die Reibefläche mit den Aussagen und dem Weltbild von Graetz ist da, aber immer auch die Bewunderung, dass Graetz nie aufgegeben, sich allen Aufgaben gestellt, nie an Abbruch der Reise gedacht hat. Er spürt die Begeisterung von Graetz und der damaligen Zeit für den technischen Fortschritt und möchte auch die Nuance herausfinden, ob Graetz für die damalige Zeit ein kolonialer Hardliner oder eher ein fortschrittlicher Geist war.

Hierzu konnten wir uns bei Riesches Ankunft in Windhoek ausführlich unterhalten. Vorurteilslos und neugierig, welche Worte ich für den Herrn Graetz finde, gingen wir zahlreiche Facetten dieser Expedition, seines Charakters und seines Lebens durch (S.162-166).
Die Graetzsche fahrende Insel durch menschenleeres Gebiet. Seine Reise fern der Furcht von Kriminalität, mit einfachen Grenzübergängen, was es so nicht mehr gibt. Die stets hilfreiche Bevölkerung ist hingegen bis Heute erhalten geblieben.

Die Selbstgewissheit der Überzeugungen mit den Gegenüberstellungen der eigenen Reise und Graetz’ Reise mehr als ein Jahrhundert zuvor, als die Welt (nicht nur in Afrika) eine andere war, mündet in einem Buch über Kolonialismus und Abenteuerlust, über Intoleranz und Toleranz.

Über den Autor Simon Riesche

weitere Rezensionen:

https://www.sueddeutsche.de/reise/afrika-reisebuch-simon-riesche-zwischen-sansibar-und-luederitz-1.6319150

https://www.knesebeck-verlag.de/zwischen_sansibar_und_luederitz/t-1/1183

 

Hier das Originalbuch von Paul Graetz

Bestelladresse beim Klaus Hess-Verlag

Da auch unserer 4. Nachdruck bereits ausverkauft ist, legen wir jetzt die 5. Auflage 2024 auf.
Wer nach dem Druck das Buch zugeschickt bekommen möchte, kann es gerne via graetz@bwana.de bestellen.

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