Der deutsche Afrikapionier Paul Graetz, bekannt durch seine abenteuerliche Erstdurchquerung Afrikas mit einem Benz - Automobil von 1907 -1909, durchquerte den dunklen Kontinent 1911 - 12 in zwei Etappen mit einem Motorboot. Die Strecke wurde - teilweise von 60 Eingeborenen gezogen - auf anmontierten Fahrzeugrädern zwischen verschiedenen Gewässern zurückgelegt. Beide jeweils 8 m langen Motorboote, die "Sarotti" und die "Hygyama" sanken auf demselben Fluß, einmal von Süden und einmal von Norden kommend. Dieser Fluß ist heute Grenzfluß zwischen dem Congo und Zambia.

Auf dem ersten Teil der Reise kam der französische Cinematograph Octave Fieres bei einem Kampf mit einem angeschossenen Büffel ums Leben.Paul Graetz erlitt schwere Kopfverletzungen. Er operierte sich in Teilen selbst, legte einen Gürtel fest um Kopf und Kiefer, und setzte die Reise zum sagenumwobenen Lake Bangwelu fort, dem damaligen "Loch Ness".

Bei den gemachten Filmaufnahmen handelt es sich um die ersten Filmaufnahmen aus Zentralafrika. Sie sollen heute noch in einem französischen Archiv vorhanden sein.

 

Mit dem Motorboot quer durch Afrika1911/12

Der „Sarotti“ -  Film

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Nach seiner erfolgreichen Afrikaquerung mit einem Automobil von 1907–09 durchquerte  der „deutschen Indiana Jones“ Paul Graetz den dunklen Kontinent 1911-12 in zwei Etappen mit dem Motorboot. Die afrikanische Wasserscheide wurde - teilweise von 60 Eingeborenen gezogen - auf anmontierten Fahrzeugrädern zwischen verschiedenen Gewässern zurückgelegt. Auf dem ersten Teil der Reise kam der französische Cinematograph Octave Fiere bei einem Kampf mit einem angeschossenen Büffel ums Leben. Paul Graetz erlitt schwere Kopfverletzungen. Er operierte sich in Teilen selbst, legte einen Gürtel fest um Kopf und Kiefer, und setzte von Kasama – im heutigen Sambia gelegen - die Reise zum sagenumwobenen Lake Bangwelu fort, dem damaligen „Loch Ness“...

Im Grenzfluss Luapula zwischen Congo und Sambia sank das Expeditionsboot „Sarotti“.  Der zweite Teil der Reise wurde in einem Boot mit dem Expeditionsnamen „Hygiama“ unternommen. Sie führte entlang des Congo –Flusses von West nach Ost durch Afrika.

Bereits in Februar 1911 trafen sich der französische  „cinematographische Operateur“ Octave Fiere  und Paul Graetz zur Vorbereitung der Expedition in Marseille. Die Filmausrüstung wurde von Societe francaise des film et cinematographes „Eclair“ in Paris geliefert.

Eclair hatte in der Berliner Friedrichstraße eine Dependance. Der Film wurde dort zumindest bis 1914 gelagert.

Auf den 14 Etappenstation waren insgesamt 10.000m Film verteilt. 2 Aufnahmeapparate mit fünf verschiedenen Objektiven und 2 Stativen wurden eingesetzt.

Das Expeditionsboot  „Sarotti“

Sponsor Sarotti AG in Berlin (Direktoren Tiede und Hoffmann ), entworfen von Schiffbauingenieur Vertens in Form afrikanischer Brandungsboote. Durch Bootswerft Firma Lürssen in Aumund Vegesack gebaut.

Technische Daten: 8,20 m lang, 1,65 m breit, ca. 30cm Tiefgang. Eichene Doppelwandung + Aluminiumschicht. 5 PS Einzylinder-Rohöl und Petroleummotor 15 km/h (8 Meilen) mittschiffs eingebaut, amerikanisches Verdeck, ca. 1 ½ Tonnen Gewicht. In der Mitte unten Zapfen für Autoreifen angebracht, Holzsteuer, Propeller in tunnelartiger Vertiefung der hinteren Bootswand. Weiße Farbe, Nebelhorn. Das Boot war in 5 Abschnitte zum Transport zerlegbar.

Vor dem Motor war Platz für 3-4 , dahinter für 3 Expeditionsteilnehmer. Schraube im tunnelartigen Einbau des Hinterschiffs zum Schutz gegen Grundberührung, zwei neben der Schraube angebrachte Seitenstücke sind unterhalb der Schraube mit abnehmbaren Querstäben verbunden, die dazu dienen sollen, die Schraube davor zu schützen, das Schilf und Gras nicht in die Schraube gerät. Das Schilf wird durch die Querstäbe niedergedrückt, ehe die Schraube über das Schilf hinweggeht.
Bei Probefahrten wurde eine Geschwindigkeit von ca. 14-15km/h erzielt, der Brennstoffverbrauch betrug 10 kg auf 100km.
Die originalen Konstruktionsskizzen sind in den 20er Jahren verbrannt. Hier der Abdruck aus der Zeitschrift „Das Motorboot“ von 1911

Verbleib der „Sarotti“

Graetz erhält keine Durchfahrtgenehmigung durch das Tsetsefliegen Gebiet und  reist zurück nach Deutschland zur diplomatischen Klärung. Er übergibt die Aufsicht über das Boot dem Baushi – Häuptling an den Schnellen von Chunga
Im Mai 1912 kommt die  Meldung von der belgischen Zollstation in Kasenga das die „Sarotti“ gesunken ist und 5 Meter unter Wasser liegt. S10° 37' 45"   E26° 45' 27"

Bereits drei Wochen nach seiner Rückkehr aus Sambia hielt Paul Graetz Vorträge mit handkolorierten Dias und einer ersten Schnittfassung seines Filmes um Sponsorengelder für den zweiten Teil seiner Expedition zu gewinnen.

Anfang der 30er Jahre, ließ Graetz -nach Rückkehr von mehrjährigem Indonesienaufenthalt- eine 35mm Filmfassung in der UFA anfertigen / umkopieren. Die Ethnologischen Aufnahmen hatten den Vorsatztitel: „Aufnahmen von Oberleutnant Paul Graetz, bearbeitet von der Kulturabteilung der Universum-Film A.G. Berlin Köthenerstr 43.“ Da Paul Graetz im Dritten Reich allerdings Auftritts-Verbote hatte, wurde der Film  nicht mehr öffentlich aufgeführt.

Sarotti

Verpackung und Lagerung der Filme:

Holzkiste mit je 500m Film, verlötete Zinneinlage. Konservenöffner -– dann runde Blech-Filmschachteln in zerbröckelten Kork gebettet. Ein Streifen Heftpflaster verschließt den Deckel luftdicht. Dann kommt die eigentliche Kassette, in Kork gebettet und mit Heftpflaster verschlossen, in der der Film in Staniolpapier gewickelt ruht.

„Gras - Laboratorium“ 28.07. – 27.08.11 am Karungu-Fluss: 5 emaillierte Becken 70x80 cm, Chemikalien, 5 Trocken – Rahmen 57x65 cm.  Entwicklung von 700 m Film, insgesamt wurden 2.500 m belichtet.  Einige Filme wurden 6 Wochen  unentwickelt transportiert,

Der Film galt lange Zeit als verschollen und spätestens seit dem großen Brand in Dresden als vernichtet. Auch in den UFA-Archiven wurde keine Schnitt- oder Rohfassung mehr gefunden.

Durch den Aufkauf eines Schriftverkehrs von Paul Graetz mit der Ethnologin Dr. Barbara Pischel stieß ich auf eine Vortragsankündigung von 1946 mit Farblichtbildern und Originalfilm.

Damit war klar, dass der Film es aus Dresden geschafft hatte und mutmaßlich mit in den Koffern war, die mit Hilfe der Engländer aus Berlin ausgeflogen wurden.  Somit konnte die Suche eingegrenzt werden und der Film wurde in August 2006 aufgefunden und sichergestellt.

Es sind nur wenige Pilzspuren vorhanden, ansonsten ist die Qualität hervorragend.

Der Film ist jetzt in einem wissenschaftlichen Archiv fachgerecht gelagert und steht als „Klatschkopie“ der weiteren Forschung zur Verfügung. Wissenschaftlicher Berater ist der„Kolonialfilmpapst“Dr. Wolfgang Fuhrmann
m@il: wolfgang.fuhrmann@fiwi.uzh.ch
Der Film ist ansehbar auf der Website     http://www.karlhoeffkes.de/wp/?p=329
Ansprechpartner für rund um die Uhr downloadbare sendetaugliche Formate und Ausschnitte ist  Karl Höffkes   k.hoefs@polarfilm.de   Fon: 02542 951313

 

Carsten Möhle

Carsten Möhle


1964 in Schleswig Holstein geboren und in Itzehoe zur Schule gegangen, zog es ihn seit 1984 jährlich nach Afrika. Ein Jahr klassische Selbstfahrerrundreise mit jeweiliger Freundin oder Kumpels, das andere Jahr irgendetwas Extremes  - Kilimanjaro Jogging, Gorilla-Tick, per Anhalter um den Lake Victoria, den Congo im selbstgebasteltem Einbaum herunterpaddeln... -. Mittlerweile lebt er 9 Monate im Jahr in Namibia und kehrt immer für drei Monate nach Deutschland zurück, um nicht zu "verbuschen".   "Stimmt es, dass Ihr Deutschen ignorant, gleichgültig und humorlos seid?" wird er  in Namibia häufig gefragt. "Ach, ich weiß nicht", antwortet er dann immer, "und es ist mir auch egal. Darüber kann ich nicht mal lachen."

Kontakt
Deutschland:      + 49 171 531 6543
Namibia                        +264  81 127 3130
Email:                                                             bwana@bwana.de
       
www.paulgraetz.de

 

Der Reisebericht "Mit dem Motorboot durch Afrika" von Paul Graetz ist 1912 und 1913 in zwei Teilen reich bebildert erschienen:

"Im Motorboot quer durch Afrika"
Vom Indischen Ozean zum Kongo.
Berlin Braunbeck & Gutenberg 1912

"Im Motorboot quer durch Afrika" Zweiter Teil
Durch den Kongo und Neu-Kamerun.
Berlin Braunbeck & Gutenberg 1913

"Im Motorboot quer durch Afrika"
Verlag von Reimar Hobbing in Berlin SW 61 2. Auflage 1926

Ein weiterer Artikel erschien in der zeitschrift "Das Boot"
(als pdf 5 MB)

Exponate:
Museum für Völkerkunde Arnimallee 27 14195 Berlin - Dahlem
Inventarnummern III E 14681 - 14693.
Pfeile, Bogen, Korb, Fischernetz, Gefäßrasseln.
Diese Gegenstände brachte Graetz von den Watua, einem Stamm am Südeende des Lake Bangwelu mit.